STATEMENTS

 


    Prof. Dr. Bernhard Krautter, Stuttgart
    Zuständig für Bibelpastoral des
    Kath. Bibelwerks, Stuttgart

                           

♦ Wenn man die Künstlerin Brigitte Prothmann länger kennt
und ihre Arbeiten nicht bloß zur Kenntnis nimmt oder unter
ökonomischem Gesichtspunkt bewertet, dann fallen drei

Elemente ins Auge. Ja, sie faszinieren sogar:

● Waren die Bilder zu Beginn ihres Schaffens schon technisch
gekonnt, aber inhaltlich meist leicht eingängig, so wurden sie
umso herber, je länger die kreativen Phasen andauerten. Der
Betrachter wird in den Prozess des Kennens und Erkennens
hineingezogen und bleibt am Dargestellten haften, muss sich
damit auseinandersetzen. Zuweilen kann er sich kaum davon
lösen.
                         
● Brigitte Prothmann hat Bilder geschaffen – vorwiegend
Gesichter von Frauen, die als Widerspiegelung einer inneren
Wandlung der Künstlerin gedeutet werden könnten. Da sieht
der Betrachter zunächst nur ein Gesicht; doch daneben, im
selben Bild, dasselbe Gesicht, jetzt aber anders, in einer
neuen Dimension, in der Tiefendimension. Es ist, als
erschiene der Archetyp, das Urbild, und gestalte das neue
Gesicht. Ist dies eine Anzeige für die innere Veränderung,
ja für eine tiefere Bewusstwerdung der Malerin selbst?
Darauf könnte auch der Umstand hindeuten, dass
das zweite, das neue Gesicht, wie von einer Sonne
beschienen, in helles Licht getaucht ist.
Die meisten Frauengesichter sind mit geschlossenen Augen
dargestellt. Möglicherweise eine diskrete Aufforderung an
den Betrachter, in die Welt des Unbewussten einzutauchen.

♦ Viele Werke von Brigitte Prothmann haben 
andeutungsweise einen religiösen Charakter. Thematisiert 
werden nicht etwa biblische Inhalte. Vielmehr wird eine                          
transzendente Dimension angedeutet, die den Betrachter
anrühren und mitnehmen möchte.


Herbert Buhles, Offenburg
Kulturredakteur der
Offenburger Zeitung

 

                     
● Es ist das Widersprüchliche und Vielgesichtige in uns selbst,
der Mensch als rätselhaftes Wesen, was Brigitte Prothmann
fasziniert. Aus dieser Verinnerlichung heraus entstehen
ihre Bilder in teilweise lasierenden, intensiven Farben,
die einen ganz eigentümlichen farblichen Duktus aufweisen,
wobei die Farbe Blau eine dominierende Rolle spielt.
Daraus entwickeln sich wundervolle nebeneinander und
ineinander fließende Nuancierungen, die den oft diffusen
Reiz der Bilder Brigitte Prothmanns fast ausnahmslos
ausmachen. 
● Ihre Frauenbildnisse haben keine Vorbilder. Sie wachsen aus
einem geistigen Urgrund heraus, der mystische wie auch
religiöse Elemente erkennen lässt.

               
● Auffallend ist, dass ihre Landschaften stets von einem
vorherrschenden Grundton getragen werden. Natur mit
der Seele gesucht, das sind Gefühlsdiktate einer Malerin,
die innere Strömungen und Empfindungen so greifbar in
Formen und Farben zu übertragen weiß, dass sich der
Betrachter spontan in ihre Sinn- und Sinneswelt einzu-
fühlen vermag.
                             
● Brigitte Prothmanns Bekenntnis in ihrem Tagebuch:

                             Neben der Zeit zieht die Erde ihre Bahn,
                             ein ewiger Kreislauf im allumfassenden Kosmos.
                             Ach, könnte ich des Öfteren innehalten und fühlen
                             die Stille, um auszuleeren die Phantasie
                             und auszuschalten des Geistes Ratio;
                             ausströmen die Bilder des Unbewussten in einem Rausch
                             von Farben und Kompositionen.

                      ● Ja, das Innere nach außen kehren und die Phantasie
                      ausleeren – eine Aussage, die verständlich wird, wenn man
                      den Zauber der Bilder Brigitte Prothmanns ganz auf sich einwirken
                      lässt.

                      (Herbert Buhles hat den künstlerischen Weg                                                                                                  
                      Brigitte Prothmanns von 1987 bis 1999 begleitet.)